Die Reformation ist auch eine Profanierung gewesen, eine Entheiligung von Heiligtümern, die bis dahin unantastbar gewesen sind. Das fanum ist seinen Fans unantastbar. Sie verehren und hüten es. Wenn es profaniert wird, verliert es seine Heiligkeit. Diese ist ihr entweder im Lauf der Jahr­hun­derte zugewachsen, wofür es viele Beispiele der Volksfrömmigkeit gibt, oder sie wurde ihr in einem hoheitlichen Akt zugesprochen, wofür es viele hochkirchliche Beispiele gibt. Theologisch-sakramental geschieht die­se Zusprechung durch eine Weihe, öffentlich-rechtlich durch eine Wid­­mung. Wenn also ein hochkirchlicher Gegenstand, sei es eine ganze Kirche oder seien es kirchliche Teile, profaniert wird, ordentlich abge­baut oder gewaltsam zerstört, umgenutzt oder veräussert, so ist die Pro­fa­nie­­rung theologisch-sakramental auch eine Entweihung und öffentlich-recht­lich auch eine Entwidmung.

In Zürich beschliesst der Rat der Stadt im Juni 1524 die ordentliche Ent­fernung aller Bilder, nachdem es im Dorf Zollikon vor der Stadt zu pro­vo­kanten Zerstörungen gekommen ist. Der Vorgang ist nüchtern: Vieles geht an die Spender zurück, anderes wird umgenutzt, nichts zer­stört. Al­les aber hat die heilige Energie, mit der es im magischen Denken des Mit­telalters aufgeladen gewesen ist, im Moment der Profanierung verlo­ren. Die Zürcher Wasserkir­che am Ort, wo zu Römerzeiten ein Tem­pel gestanden ist und früh schon das Martyrium der Stadtheiligen stattgefun­den haben soll, wird 1525 profaniert: 1631-1917 dient sie als Stadt­biblio­thek, seither als multifunk­tio­naler Raum.

Theologisch und ästhetisch ist die Profanierung eine Wirkung der Re­duk­tion, die sich insbesondere die Reformierten auferlegt haben. Äusser­lich handelt es sich um eine umfassende Ausnüchterung der Kirchenräu­me, die seit Jahrhunderten mit Sakramentalien und Devoti­o­nalien zuge­wu­chert ist. Innerlich geht es darum, eine biblische Vorstellung von Hei­ligung zu entwickeln, die alltagstauglich ist und nicht an bestimmte Or­ten und Zeiten gebunden. Ebenso mit Paulus darum, jetzt ein Le­ben im Glauben statt im Schauen zu führen, um dann den Heiligen von Ange­sicht zu Angesicht zu sehen (1Kor 13,12), also darum, den Grundsatz finitum non capax infini­ti konsequent durchzuhalten.

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