Reformierte haben immer Gottesdienst. Ihr Glaube nimmt nie Ferien. Re­ligion ist für sie kein Konsumartikel und kein Accessoire, sondern ein Le­bensent­wurf. Er betrifft alle Lebensbereiche. 1934 in der Erklärung von Barmen: Wie Jesus Christus Gottes Zuspruch der Vergebung aller un­se­rer Sünden ist, so und mit gleichem Ernst ist er auch Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben. Oder negativ: Wir verwerfen die fal­sche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Je­sus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären.

Am Sonntag dient ihnen Gott mit seinem Wort. Im Alltag dienen sie Gott mit ihrer Arbeit. Am Sonntag ist der verbi divini minister gefragt: Die Pfarr­­person predigt. Sie interpretiert das Wort gegenüber dem Leben und das Leben gegenüber dem Wort. Das eine nicht oh­ne das andere, immer hin und her. Im Alltag ist der Ein­zel­ne gefragt: Er ent­faltet die Be­gabungen, die ihm sein Schöpfer ge­schenkt hat, und zwar an dem Ort, wo dieser ihn hinstellt. So heiligt sich der Einzelne im Got­tesdienst sei­nes Alltags.

Er tut seine Arbeit nicht zuerst für die Bank oder fürs Pre­stige, sondern soli Deo gloria: dankbar seinem Schöpfer zur Ehre. So ist der Sonntag zwar heilig, weil Gott Lebenswichtiges zu sagen hat. Der ganz normale Alltag aber ist die Zeit der Heiligung. Jede Frau und jeder Mann kann heilig sein. Wie sehr, kann oh­nehin nur Gott entscheiden. Weil jeder be­gabt ist, zählen für den Heili­gen­schein der Reformierten nicht die Grösse der Leistung oder der Glanz des Wun­ders. Es zählt schlicht und nüch­tern, dass einer aus seiner Begabung etwas macht und dabei vor Glück und aus Dankbarkeit sei­nen Schöpfer lobt.

Reformierte wissen das aus dem Predigtgottesdienst. Am Sonntag er­fah­­ren sie es aus der Predigt. Der Sonntag motiviert für den Alltag. Das Le­bensgut des All­tags kommt am Sonntag zur Sprache. Das Glaubens­gut des Sonntags bewährt sich im Alltag. Christsein ist ein Lebensent­wurf. Auch in den Ferien.

In der ganzen Bibel ist der Sonntag entweder alttestamentlich der Sab­bat und so der Schluss der Schöpfungswoche oder neutestamentlich der Herrentag, dh. der  Aufer­ste­hungstag Christi und so der Beginn der Ver­söh­nungswoche. Für Reformierte gilt beides, denn beides inspiriert: das Hören des Worts und die Nutzung der Begabungen.

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