In der beliebten Redewendung der Presbyterianer, der amerikanischen Reformierten, stecken eine ästhetische und eine ethische Kardinal­tu­gend der Reformierten.

Die ästhetische Kardinaltugend hinter in order heisst Funktionalität statt Sakra­lität. Als Beispiel ein Zitat aus der ersten Zürcher Kirchenordnung von 1559 zur Gestaltung von Kirchenräumen: Die Zürcher Kirchen sind von allen Gemälden und Standbildern gereinigt. Sie weisen keine Altäre auf, son­dern nur die notwendigen Geräte, wie eine Kanzel, Bänke, ein Taufbec­ken, einen Tisch, der jeweils zum Abendmahl aufgestellt wird, und Lam­pen, die im Winter, wenn die Tage kürzer sind, während der Früh­gottes­dien­ste gebraucht werden. Das funktional Angemessene prägt den Kir­chenraum. Erste Notwendigkeit ist die Kanzel, denn der Gottes­dienst ist Predigtgottesdienst und nicht Opferfeier. Der Abendmahls­tisch ersetzt daher den Altar und ist nur notwen­dig, um Geräte ab­zustel­len. Lampen dienen nicht der Verehrung, son­dern weisen in der dunklen Jah­reszeit den Weg. Vor allem Bild­werke, die vorher Heiligkeit hatten und der Anbetung dienten, sind gemäss Bilderverbot nun ver­schwun­den. Funktionalität macht den Kirchenraum aufgeräumt und ordentlich.

Die ethische Kardinaltugend hinter decently heisst Nüchternheit statt Prunksucht: Die Mahnung des Paulus, sich nicht selbst zu rühmen, son­dern Gott zu loben, fordert den konsequenten Verzicht auf Selbstdar­stel­lung und Prachtentfaltung (1Kor 1,31; Gal 6,14). Zurschaustellung von Reichtum etwa ziemt sich nicht, und gerade der Reiche soll dezent auf­tre­ten. Dies hat Auswirkungen auf das Arbeitsethos der Refor­mierten und ihre Beteiligung an der Entstehung des Ka­pi­talismus. Arbeit ge­schieht soli Deo gloria.

Jean de Léry, der in Brasilien Indios begegnet ist, die in Europa wegen ihrer Nacktheit als Wilde verunglimpft werden, schreibt 1563: Möge es Gott gefallen, dass der Sache ein Ende bereitet wird und sich ein jeder von uns, mehr aus Gründen des Anstandes und der Notwendigkeit als aus denen des Prunks und der Weltlust, bescheiden kleide.

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