Bund ist ein Hauptwort der Bibel und eine Grundform reformierten Denkens. Der biblische Gedanke, Beziehungen durch einen Bund darzustellen, stammt vermutlich aus der assyrischen Praxis, Verträge zu schliessen. Formal ist das Buch Deuteronomium mit Vorrede, Gesetzessammlung und Segen-Fluch-Reihe gebaut wie ein assyrischer Vertrag. Allerdings geht es in der Bibel zuerst um Bünde Gottes mit Menschen wie Noah, Abraham, Mose und David: Gott begibt sich damit auf Augenhöhe und wird Vertragspartner, damit Schöpfung, Volk und Land, Ethik oder Königtum gut geordnet sind. Der Bund wird zu einem theologischen Begriff, der die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk beschreibt, so in der alten Bundesformel: JHWH, der Gott Israels – Israel, das Volk JHWHS. Gott ist also nicht wie bei den Assyrern Zeuge eines Bunds unter Fürsten, sondern selbst Urheber und Partner von Bünden für die Gemeinschaft unter Menschen, im Neuen Bund über Jesus Christus gar weltweit. Gott bindet sich, am folgenreichsten in Kreuz und Auferstehung, was das Abendmahl mit der Einsetzungsformel dauerhaft in Erinnerung ruft. Das hebräische Wort für Bund in seiner lateinischen Version wird gar zum nicht unproblematischen Epochenmerkmal: testamentum steht nun für den Alten und den Neuen Bund.

Der Bund, in dem uns Glaube und Unschuld angeraten werden, ist die Grundfrage der Heiligen Schrift, die in allen Büchern der Schrift zu be­trachten ist, schreibt Heinrich Bullinger schon 1532, und damit meint er die Ein­heit und Bedeutsamkeit der ganzen Bibel aus hebräischen und griechi­schen Schriften. In der reformierten Föderal­theologie von Johannes Cocce­jus (1603-1669), Al­thu­sius, Olevian, Edwards und Barth wird das bibli­sche Haupt­wort zur refor­mier­ten Grundform. Sie hat vielfältige Auswirkungen: als Mayflo­wer Com­pact oder Covenant auf das moderne Verfassungsrecht, bei Grotius auf die Ent­ste­hung des Völkerrechts, bei Rousseau auf die Vor­­stellung vom Con­trat social, bei Dunant auf die Gründung des Ro­ten Kreuzes, bei Wil­son auf die Idee des Völkerbunds. Stets sind die Be­­züge gesamt­biblisch und die Ziele gemeinschaftlich.

Entsprechend sind heute auch die drei Dachverbände zu verstehen: in der Schweiz der Kirchenbund, in Deutschland der Reformierte Bund, und international der Reformierte Weltbund. Föderatives Denken und födera­le Strukturen haben stets auch eine reformierte Wurzel.